Musikland Tirol

Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Konzerte 2003
Idee, Gestaltung und Organisation: Manfred Schneider


Barockfest

Sonntag, 5. Jänner und Montag, 6. Jänner
Konzertsaal des Tiroler Landeskonservatoriums

Giovanni Buonaventura Viviani (1638-nach 1700)
12 Sonaten für zwei Violinen, Viola und Basso continuo, op. 1, 1673

Ars Antiqua Austria, Leitung: Gunar Letzbor

Giovanni Buonaventura Viviani stammt aus Florenz. 1672 wurde er von Kaiser Leopold I. zum Kapellmeister der kaiserlichen Hofmusik nach Innsbruck berufen. Tirol war 1665 nach dem Tod des letzten Landesfürsten der tirolischen Linie der Habsburger dem Kaiser anheimgefallen. Die Hofkapelle wurde stark eingeschränkt und schließlich nach dem Ableben der letzten beiden Mitglieder 1748 aufgelöst. Zu Vivianis Zeit bestand die Kapelle allerdings noch aus 18 Mitgliedern, dem Kapellmeister und Organisten, vier Kapellknaben, sechs Sängern und sechs Musikern, die allesamt insbesondere für die Kirchenmusik zuständig waren. Ein Jahr nach seiner Ernennung erschien Vivianis Opus 1, zwölf Sonaten für zwei Violinen, Viola und Basso continuo in Venedig. Dass diese Instrumentalwerke vor allem auch als Kirchenmusik verwendet wurden, z.B. als sog. Epistelsonaten zwischen Gloria und Credo, zeigt ihr Nachweis in einem Inventar der Pfarrkirche Meran. In Tirol haben sich Vivianis Sonaten allerdings nicht erhalten. Das einzige bisher bekannte vollständige Exemplar befindet sich im Archiv der Accademia Filarmonica di Bologna.


Studiokonzert

Dienstag, 22. April 2003, 16 Uhr und 20 Uhr
Konzertsaal des Tiroler Landeskonservatoriums
im Rahmen der CD-Produktion

Giovanni Antonio Pandolfi Mealli
Hofmusiker in Innsbruck von 1652 bis 1662
12 Sonaten für Violine und Basso continuo,
opus 3 und opus 4, Innsbruck 1660

Sonaten opus 3
Nr. 1 La Stella - Nr. 2 La Cesta - Nr. 3 La Melana
Nr. 4 La Castella - Nr. 5 La Clemente - Nr. 6 La Sabbatina

Pause
Das Institut für Tiroler Musikforschung Innsbruck
lädt anlässlich seines 20jährigen Bestehens zu einem kleinen Tiroler Buffet

Sonaten opus 4
Nr. 1 La Bernabei - Nr. 2 La Viviana - Nr. 3 La Monella Romanesca
Nr. 4 La Biancuccia - Nr. 5 La Stella - Nr. 6 La Vinciolina

Ars Antiqua Austria, Leitung und Violine: Gunar Letzbor

Jan Krigovsk , Violone - Pierre Pitzl, Barockgitarre
Hubert Hoffmann, Theorbe - Manuel Oman, Colascione (Basslaute)
Norbert Zeilberger, Orgel und Cembalo

Giovanni Antonio Pandolfi Mealli wurde vom Tiroler Landesfürsten Erzherzog Ferdinand Karl während eines Italienaufenthalts 1652 für die Innsbrucker Hofmusik engagiert. Unter diesem überaus kunstsinnigen Herrscher erreichte die Musikpflege in Innsbruck eine Ausstrahlung von europäischem Format. Ferdinand Karl legte den Schwerpunkt seiner Tätigkeit auf kulturelle Belange. Im Zuge der Errichtung des ersten Opernhauses nördlich der Alpen gelang es ihm auch, in Antonio Cesti den berühmtesten Opernkomponisten seiner Zeit nach Innsbruck zu holen. Pandolfi Mealli war Mitglied der Innsbrucker Hofmusik, die sich vor allem aus Italienern zusammensetzte und unter der Leitung Cestis stand. Dieses Ensemble bester Musiker war vor allem für die Oper und musikalische Aufführungen im Rahmen von Hoffesten zuständig, vergnügte den Hofstaat aber auch bei der Tafel und in kleinsten Formationen im Bereich der Kammermusik. Dieser Intention entsprechen die Violinsonaten Meallis. Die Sonaten op.3 sind der Gemahlin Erzherzog Ferdinand Karls, Anna von Medici gewidmet, jene von op. 4 seinem Bruder und Nachfolger Erzherzog Siegmund Franz. Die Titel der einzelnen Stücke sind nach Hofmusikern Instrumentalisten und Sängern benannt, die zur Zeit Meallis am Innsbrucker Hof wirkten. Meallis Violinsonaten sind überaus bemerkenswert kunstvolle und initiative Zeugnisse aus einer frühen Phase der Violinliteratur, in der sich diese zukunftsträchtig erst allmählich zu etablieren begann.

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Innsbrucker Hofmusik

Innsbrucker Hofkirche

Samstag, 19. Juli und Sonntag, 20. Juli
Basilika von Stift Stams

Sakralwerke von Johann Stadlmayr (ca. 1575-1648)
Messe Nr. 1 und Nr. 4 aus Missae concertatae ..., Innsbruck 1642
Motetten aus Apparatus musicus ..., Innsbruck 1645

Neue Innsbrucker Hofkapelle

Der vermutlich aus Freising in Bayern stammende Johann Stadlmayr wurde 1607 zum Innsbrucker Hofkapellmeister berufen. Er versah diesen Dienst über vier Jahrzehnte unter vier Tiroler Landesfürsten und vermochte durch diese lange Ausübung seiner renommierten Position das Musikleben Tirols entscheidend zu prägen. Stadlmayr gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Kirchenmusik der damaligen Zeit mit internationalem Ansehen. Seine Kompositionen sind nahezu ausschließlich in Innsbruck entstanden. Davon sind 21 Opera im Druck erschienen, allein 14 umfangreiche Sammlungen in Innsbruck. Entsprechend seiner überregionalen Bedeutung sind Werke Stadlmayrs auch in Wien, München, Augsburg und Antwerpen veröffentlicht worden. In Innsbruck haben sich seine Werke nicht erhalten, wohl aber in vielen europäischen Bibliotheken und Archiven. Die Musiksammlung des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum hat diese Quellen konsequent gesammelt, nahezu vollständig in Kopie erworben und so an ihren Ursprungsort zurückgebracht. Viele historische Drucke wurde zudem schon in moderne Notenschrift transferiert und bilden so die Grundlage für Konzertprojekte mit CD-Aufnahme, die das bedeutsame Werk Stadlmayrs nachhaltig in Erinnerung rufen.
Stadlmayrs Messensammlung aus dem Jahr 1642 und vor allem sein Appartus musicus gehören zu den herausragenden Kirchenmusikwerken seiner Zeit. Sie verweisen in ihrer kompositorischen Brillanz nicht nur auf das großartigen Können ihres Schöpfers, sondern auch auf die künstlerische Qualität der damaligen Innsbrucker Hofkapelle, die solcherart anspruchsvolle und vielfach großbesetzte Werke zu realisieren imstande war.

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Tyrolienne

Samstag, 30. August und Sonntag, 31. August 2003

Konzertsaal des Tiroler Landeskonservatoriums Innsbruck

Lieder der Nationalsänger Geschwister Rainer nach der Ausgabe von Ignaz Moscheles, London 1827 und Tiroler Tänze aus historischer Überlieferung.

Vokalensemble und Stubenmusik des Ferdinandeums
In Partnerschaft mit der Schoellerbank

Tirol als Terminus der Musikgeschichte wird erstmals fassbar in der Bezeichnung Tyrolienne für einen ganz spezifischen Typus von Genremusik, der intentional der realen, zumeist jedoch vermeintlichen Volksmusiktradition nachempfunden ist.
Tirol wurde überregional vor allem im Zuge der Befreiungskämpfe gegen Napoleon im frühen 19. Jahrhundert bekannt. Dazu kam in dieser Zeit eine ganz allgemein wirksame, alle sozialen Stände ergreifende Faszination für die Alpen und ein vom Zeitalter der Aufklärung nachwirkendes zunehmendes Interesse am sog. Landvolk. Diese zuweilen schwärmerische Begeisterung von einem idyllischen Leben in intakter Naturvollkommenheit fand ihren Ausdruck nicht zuletzt an den neu erweckten Vorlieben für die ursprüngliche alpenländische Musik.

Musikalische Sendboten Tirols
Erste Sendboten, die diese Sehnsüchte geschickt befriedigen konnten, waren zunächst wandernde Tiroler Warenhändler, die bald anstelle ihrer Teppiche, Handschuhe und sonstiger Gebrauchsgegenstände Tiroler Lieder als Ware anboten und damit überaus erfolgreich waren. Diese Auftritte hatten jedoch noch mehr improvisatorischen Charakter und noch nicht jene raffinierte Organisation, wie sie später die Unternehmungen der als Natursänger oder Nationalsänger bezeichneten Gesangstruppen so sehr auszeichnete.
Die ersten Tiroler Volksmusik-Profis kamen aus dem Zillertal
Die erste Sängergesellschaft, die bewusst auf den Vortrag von Liedern abzielte und mit einem Programm gewissermaßen auf Tournee ging, waren die aus Fügen im Zillertal stammenden Geschwister Anton, Franz, Joseph, Felix und Maria Rainer. Im Jahr 1824 unternahmen sie ihre erste Sängerreise durch Deutschland und 1827 gelangten sie erstmals nach England, wo sie in London Triumphe feierten. Das englische Königshaus war ihnen so sehr gewogen, dass es den Zillertaler Sängern eigene Trachten für ihre Darbietungen anfertigen ließ, in denen die Geschwister Rainer fortan in London auch tatsächlich auftraten.

Erste Dokumentation des Liedrepertoires der Nationalsänger damals und heute
Der Londoner Aufenthalt der Rainer ist musikhistorisch insofern besonders bedeutsam, als das spezifische Liedrepertoire einer wandernden Gesangstruppe nun erstmals aufgezeichnet und publiziert wurde. Möglicherweise im Auftrag der königlichen Familie hat der damals in London u.a. als Professor an der Royal Academy of Music tätige, international berühmte Klaviervirtuose Ignaz Moscheles (1794-1870) diese Aufgabe übernommen. Dieser Tat ist eines der großartigen Dokumente der Tiroler Musikgeschichte zu verdanken. Bei unserem Konzert in Partnerschaft mit der Schoellerbank wird Moscheles' Aufzeichnung und Bearbeitung der Lieder der Geschwister Rainer erstmals vollständig und in historischer Aufführungspraxis präsentiert. Das Konzertprojekt, bei dem weiters historische Tiroler Volkstänze in Stubenmusikbesetzung mit zwei Geigen, Hackbrett, Harfe und Streichbass aus der Zeit der Geschwister Rainer das originelle Programm vervollständigen, wird auf CD dokumentiert.


Tiroler Tage für Kirchenmusik 2003

Samstag, 13. September und Sonntag, 14. September
Basilika von Stift Stams

Veranstalter: Institut für Tiroler Musikforschung Innsbruck in Zusammenwirken mit dem
Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum

Jakob Regnart (ca. 1540-1599)
Mariale, Innsbruck 1588

Neue Innsbrucker Hofkapelle

Jakob Regnart stammte wie viele der damals besten Musiker aus den Niederlanden. Im Jahr 1582 wurde er an den Hof nach Innsbruck berufen, wo er dem berühmten, 1581 verstorben und ebenfalls aus den Niederlanden kommenden Alexander Utendal als Vizehofkapellmeister nachfolgte. Bereits 1585 wurde Regnart zum Innsbrucker Hofkapellmeister ernannt, ein in der damaligen Musikwelt durchaus angesehener Posten, den er bis zum Tode seines Dienstherrn Erzherzog Ferdinand von Tirol im Jahr 1595 überaus erfolgreich versah. Daraufhin kehrte er in die kaiserliche Hofkapelle nach Prag zurück, wo er bis zu seinem Tode 1599 als Vizehofkapellmeister tätig war.
Die Motettensammlung Mariale hat Regnart Erzherzog Ferdinand von Tirol gewidmet. Der Komponist vermerkte in der Vorrede, dass ihm vor allem die Errettung aus schwerster, totbringender Krankheit dazu bewogen habe, ein Werk zur Verehrung und zum Lobpreis Mariens zu schaffen, das Motetten für nahezu alle Festtage der seligsten Jungfrau und Mutter Maria enthält. Dieser Zyklus gehört zu den besten Schöpfungen Regnarts, der einer der angesehenen Komponisten seiner Zeit war. Das Mariale wurde 1588 bei Hans Paur in Innsbruck gedruckt. Die originalen Stimmbücher haben sich zum Teil in der British Library in London und in der Bischöflichen Zentralbibliothek in Regensburg erhalten. Beide Quellenbestände zusammen ließen das vollständige Werk eruieren, das nunmehr komplett in moderner Notation vorliegt.


Musica sacra

Samstag, 22. November und Sonntag, 23. November
Christoph Sätzl (1592/93-1655)

Ecclesiastici concentus ..., Innsbruck 1621

Neue Innsbrucker Hofkapelle

Christoph Sätzl gehört zu den bedeutendsten Tiroler Komponistenpersönlichkeiten mit internationaler Beachtung. Wie sehr er zu seiner Zeit geschätzt war, erweist nicht zuletzt die Tatsache, dass mehrere seiner Motetten in berühmte überregionale Sammelwerke aufgenommen wurden. Sätzl hat ausschließlich Kirchenmusik komponiert, was seiner Stellung, zuerst als Domkapellmeister in seiner Heimatstadt Brixen - womit gleichfalls das Amt des Hofkapellmeisters des Tiroler Fürstbischofs verbunden war - und später als Kapellmeister am Königlichen Damenstift zu Hall, entsprach. Seine überaus beachtlichen Werke sind nahezu ausschließlich in Innsbruck erschienen, das damals ein Zentrum des Notendrucks von europäischer Dimension war. Sätzls Kompositionen sind nur teilweise erhalten geblieben. Jener Fundus, der noch verfügbar ist, wurde im Rahmen der Sammelaktivitäten des Tiroler Landesmuseums in den letzten Jahren aus den historischen Stimmbüchern in moderne Notenschrift übertragen und dient nun als Grundlage für Konzertprojekte mit dem Ziel, Sätzls erhaltenes Gesamtwerk nach und nach mit CD-Produktionen akustisch zu dokumentieren.

Christoph Sätzl wurde 1619, also noch in sehr jungen Jahren, zum Domkapellmeister in Brixen, an der Metropolitankirche Tirols mit entsprechender Reputation, ernannt.

Er wird seinem ausgezeichneten Ruf auch durchaus gerecht: Schon zwei Jahre nach seinem Amtsantritt erscheint sein erstes gedrucktes Werk in der Innsbrucker Offizin Agricola (Paur). Das als Ecclesiasticus concentus betitelte Sammelwerk mit 24 lateinischen Motetten manifestiert offenkundig Sätzls herausragende kompositorische Begabung. Dieses großartige Kompendium, das selbstverständlich Bestandteil der Kirchenmusikpraxis in Brixen gewesen sein wird, ist ein bemerkenswert frühes Beispiel zum eben erst aufkeimenden neuen Stil konzertierender Kirchenmusik in erstaunlicher Meisterschaft. Sätzls in Brixen entstandene Motettensammlung Ecclesiastici concentus, eines der Glanzstücke der Tiroler Musikgeschichte, hat sich in nur einem vollständigen Exemplar in der Bischöflichen Zentralbibliothek in Regensburg erhalten.

Brixen zur Zeit Christoph Sätzls


Tiroler Weihnachtskonzert 2003

Samstag, 20. Dezember und Sonntag, 21. Dezember
Weihnachtsmusik der Innsbrucker Hofkapelle Erzherzog Ferdinands von Tirol

Werke von Franz Sales (ca. 1540-1599), Christian Hollander (ca. 1510-um 1569),
Blasius Amon (ca. 1560-1590) und Jakob Regnart (ca. 1540-1599)

Konzertsaal des Tiroler Landeskonservatoriums Innsbruck
In Partnerschaft mit der Schoellerbank

Das Tiroler Weihnachtskonzert 2003 präsentiert erstmals Weihnachtsmusik aus der berühmten Innsbrucker Hofkapelle Erzherzog Ferdinands von Tirol. Erzherzog Ferdinand war ein überaus musischer Landesfürst, der in seiner Hofkapelle beste Musiker aus aller Herren Länder vereinte. Ihre Werke erschienen in Nürnberg, München, Venedig und Innsbruck. An ihrem Wirkungsort haben sich keine Musikdrucke erhalten. Die Musiksammlung des Ferdinandeums hat aber durch intensive Forschungs- und Erschließungsarbeiten in den letzten Jahren in Zusammenarbeit mit vielen europäischen Archiven und Bibliotheken nahezu das vollständige Quellenmaterial zum spezifischen Repertoire der Hofkapelle Ferdinands eruieren können und einen Großteil auch schon für die gegenwärtige Musikpraxis bearbeitet. Aufgrund dieser umfassenden Vorarbeiten wird es nun erstmals möglich, Musikprojekte aus einer Glanzzeit der Tiroler Kulturgeschichte zu realisieren. Bei diesem Konzertprojekt in Partnerschaft mit der SKWB Schoellerbank wird nun erstmals Weihnachtsmusik aus diesem großen Fundus präsentiert. Das Konzept hat als Programmidee eine feierliche und stimmungsvolle Weihnachtsmette der Innsbrucker Renaissance.


KARTENVORBESTELLUNG:
Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck
Tel. 0043 / 512 / 59489-71
Sekretariat